Viele Menschen mit Rheuma kennen es: Kaum wird es draußen kälter und feuchter, machen sich die Beschwerden wieder stärker bemerkbar. Gerade im Herbst klagen viele Betroffene über Schmerzen, steife Gelenke oder zunehmende Erschöpfung. Aber warum ist das so – und was lässt sich dagegen tun?
Passend zum Deutschen Rheumatologiekongress 2025, der im September in Wiesbaden stattfindet, werfen wir einen aktuellen Blick auf Ursachen, Symptome und moderne Behandlungswege bei Rheuma. Außerdem erklären wir, welchen Einfluss Wetter und Ernährung auf den Verlauf der Erkrankung haben können.
Was ist Rheuma eigentlich?
„Rheuma“ ist keine einzelne Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für über 400 verschiedene Krankheitsbilder. Der medizinisch korrekte Begriff lautet „Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises“. Dazu gehören unter anderem:
Rheumatoide Arthritis (chronisch-entzündlich)
Arthrose (degenerativ)
Gicht (stoffwechselbedingt)
Lupus erythematodes (autoimmun)
Morbus Bechterew (entzündlich, vor allem an der Wirbelsäule)
Die bekannteste Form ist die rheumatoide Arthritis, bei der das Immunsystem irrtümlich körpereigenes Gewebe angreift – insbesondere die Gelenke. Diese Entzündungen führen langfristig zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und dauerhaft strukturellen Schäden.
Wie entsteht Rheuma? – Mögliche Ursachen
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Rheuma sind bislang nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken. Eine wichtige Rolle spielt die genetische Veranlagung: Menschen mit bestimmten erblichen Voraussetzungen haben ein erhöhtes Risiko, an rheumatoider Arthritis oder anderen Formen des entzündlich-rheumatischen Formenkreises zu erkranken.
Ein weiterer zentraler Auslöser ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Rheuma zählt zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das körpereigene Abwehrsystem irrtümlich gesundes Gewebe angreift – in diesem Fall häufig die Gelenkinnenhaut. Dadurch kommt es zu schmerzhaften Entzündungen und langfristig zu einer Schädigung der Gelenkstrukturen.
Auch äußere Einflüsse wie Rauchen, bestimmte Infektionen oder hormonelle Veränderungen – etwa in den Wechseljahren – können das Risiko erhöhen oder einen Krankheitsschub auslösen.
Nicht zuletzt haben auch Ernährung und Lebensstil einen nachweisbaren Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Eine unausgewogene, entzündungsfördernde Ernährung, Bewegungsmangel oder starkes Übergewicht können bestehende Entzündungen verstärken und den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflussen.
Wie wird Rheuma diagnostiziert?
Die Diagnose von Rheuma ist oft komplex und basiert auf verschiedenen Bausteinen. Zu Beginn steht ein ausführliches Arztgespräch, bei dem die Beschwerden genau eingeordnet werden. Dabei ist wichtig, wie lange die Schmerzen bestehen, ob sie in Ruhe oder Bewegung auftreten und ob es familiäre Vorbelastungen gibt. Darauf folgen in der Regel:
Körperliche Untersuchung: Kontrolle auf Schwellungen, Überwärmung und Beweglichkeit der Gelenke.
Blutuntersuchungen: Entzündungswerte (CRP, BSG) sowie sogenannte Rheumafaktoren und CCP-Antikörper helfen bei der Einordnung.
Bildgebende Verfahren: Röntgen, Ultraschall oder MRT zeigen, ob bereits Gelenkveränderungen vorliegen.
Rheuma-Selbsttests: Online-Tests können erste Hinweise liefern, ersetzen jedoch keine fachärztliche Abklärung. Wer erste Anzeichen für Rheuma bei sich bemerkt, sollte nicht zu lange warten. Ein frühzeitiger Therapiebeginn kann den Verlauf deutlich verbessern.
Typische Rheuma-Symptome erkennen
Die Symptome von Rheuma können sehr unterschiedlich ausfallen und variieren nicht nur je nach Erkrankungsform, sondern auch von Person zu Person. Dennoch gibt es einige Beschwerden, die besonders häufig auftreten und auf eine rheumatische Erkrankung hinweisen können.
Zu den klassischen Anzeichen zählen anhaltende Gelenkschmerzen – vor allem morgens nach dem Aufstehen oder nach längeren Ruhephasen. Auch Schwellungen an Händen, Knien oder Füßen sind typisch, oft begleitet von einer spürbaren Steifigkeit der betroffenen Gelenke. Diese Morgensteifigkeit hält bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen meist länger als 30 Minuten an und bessert sich erst im Laufe des Tages.
Hinzu kommen häufig unspezifische Beschwerden wie Erschöpfung, leichtes Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl, die zunächst nicht direkt mit den Gelenken in Verbindung gebracht werden. Besonders bei der rheumatoiden Arthritis sind Schmerzen in den kleinen Gelenken – etwa an Fingern oder Zehen – in Kombination mit morgendlicher Steifigkeit über eine halbe Stunde hinweg ein typisches Warnsignal. Wer solche Symptome bei sich bemerkt, sollte zeitnah ärztlichen Rat einholen, um eine frühzeitige Diagnose und Behandlung zu ermöglichen.
Warum werden die Beschwerden im Herbst oft schlimmer?
Viele Rheuma-Betroffene beobachten, dass ihre Beschwerden bei kühlem, feuchtem Wetter zunehmen – besonders in der Übergangszeit zwischen Sommer und Herbst. Auch wenn der direkte Zusammenhang zwischen Wetter und Rheumasymptomen wissenschaftlich noch nicht eindeutig belegt ist, gibt es plausible Erklärungsansätze, die diesen Effekt zumindest teilweise erklären könnten.
So kann kalte, feuchte Luft die Durchblutung in Muskeln und Gelenken beeinträchtigen, was zu einer Verstärkung von Schmerzen und Steifigkeit führen kann. Auch Luftdruckschwankungen – wie sie bei Wetterumschwüngen typisch sind – scheinen bei manchen Menschen die Schmerzempfindlichkeit zu erhöhen und das Gefühl steifer Gelenke zu verstärken.
Hinzu kommt, dass die dunklere Jahreszeit oft mit weniger Bewegung im Freien und geringerer Sonneneinstrahlung einhergeht. Das wirkt sich nicht nur auf die Stimmung aus, sondern kann auch das Immunsystem schwächen und die Schmerzwahrnehmung verändern – Faktoren, die bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eine Rolle spielen können.
Ob es sich tatsächlich um einen wetterbedingten Rheuma-Schub handelt oder andere Auslöser dahinterstehen, lässt sich jedoch nicht pauschal sagen. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden ist deshalb eine ärztliche Abklärung ratsam, um gegebenenfalls die Therapie anzupassen oder andere Ursachen auszuschließen.
Wie sieht die moderne Rheuma-Behandlung aus?
Die Behandlung richtet sich nach der genauen Diagnose und dem individuellen Verlauf der Erkrankung. Meistens wird eine Kombination aus folgenden Maßnahmen eingesetzt:
Medikamente: Dazu zählen entzündungshemmende Mittel (z. B. Cortison), Basistherapeutika (z. B. Methotrexat) oder neuere Wirkstoffe wie Biologika oder JAK-Hemmer.
Physiotherapie: Ziel ist es, die Beweglichkeit zu erhalten und Schmerzen zu lindern.
Ergotherapie: Alltagshilfen und Übungen können helfen, mit der Erkrankung besser zurechtzukommen.
Psychosoziale Unterstützung: Sie kann Betroffenen helfen, mit den emotionalen und sozialen Herausforderungen der Erkrankung umzugehen.
Ernährungsumstellung: Eine gezielte Rheuma-Ernährung kann entzündungshemmend wirken und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Welche Rolle spielt die Ernährung bei Rheuma?
Die richtige Ernährung ist bei Rheuma kein Ersatz für Medikamente – kann aber helfen, Entzündungen zu reduzieren und das Wohlbefinden zu verbessern. Wichtig ist eine antientzündliche Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist.
Empfehlenswert:
Fisch (z. B. Lachs, Makrele, Hering)
Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte
Vollkornprodukte
Leinöl, Rapsöl, Walnüsse
Verbotene oder ungünstige Lebensmittel bei Rheuma:
Wurst, rotes Fleisch
Fertigprodukte mit vielen Zusatzstoffen
Zuckerreiche Lebensmittel
Alkohol
Transfette (z. B. in Chips, Fast Food)
Einige Studien (z. B. aus dem Jahr 2023, veröffentlicht in Frontiers in Nutrition) zeigen, dass eine mediterrane oder pflanzenbetonte Ernährung den Entzündungsstatus bei rheumatoider Arthritis verbessern kann.
Fazit: Aktiv bleiben – auch im Herbst
Auch wenn die kalte Jahreszeit für viele Rheuma-Betroffene eine Herausforderung ist, gibt es heute zahlreiche Möglichkeiten, um den Alltag besser zu meistern. Entscheidend ist ein gutes Zusammenspiel aus Bewegung, Ernährung, ärztlicher Betreuung und Selbstbeobachtung.
Wer erste Symptome von Rheuma bemerkt oder bereits eine Diagnose erhalten hat, sollte gerade im Herbst aufmerksam sein – aber sich nicht entmutigen lassen. Moderne Therapien, neue Erkenntnisse (wie sie auch beim Deutschen Rheumatologiekongress 2025 vorgestellt werden) und eine gesunde Lebensweise helfen dabei, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.
