Kürzlich erzählte mir ein Freund davon, dass er sich gerade zwischen zwei aus seiner Sicht großen Übeln entscheiden muss. „Ich habe die Wahl zwischen Pest und Cholera! Was würdest du machen?“, fragte er mich. Ich glaube, ich konnte ihm ganz gut helfen. Doch ein paar Fragen beschäftigten mich seitdem: Was hat es mit der Redewendung „Pest oder Cholera“ auf sich? Welche der beiden Krankheiten hätte ich im Jahr 2025 in Deutschland bezogen auf Symptome und Heilungschancen tatsächlich lieber, wenn ich ansonsten keine andere Wahl habe?
Woher kommt die Redewendung „Pest oder Cholera“?
Belegt ist, dass sich die Redewendung zuerst im Französischen („la peste ou le choléra“) verbreitete und dann ins Deutsche übernommen wurde. Der Ausdruck „Pest oder Cholera“ ist wahrscheinlich im 19. Jahrhundert entstanden, im Zuge der großen Cholera-Epidemien. Erst da gab es beide Krankheiten gleichzeitig als reale Bedrohung, sodass sich die Gegenüberstellung im Volksmund etablieren konnte. Beide Seuchen stehen bis heute sinnbildlich für Krankheit, Katastrophe und Angst – obwohl sie mittlerweile medizinisch behandelbar sind.
Die Redewendung „Pest oder Cholera“ steht sinnbildlich für die Entscheidung zwischen zwei sehr unerwünschten Alternativen. Beide Optionen sind schlecht – und dennoch muss man sich für eine entscheiden.
Was ist die Pest?
Die Pest ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Bakterium Yersinia pestis, meist übertragen durch Flohbisse von Nagetieren. Die drei Hauptformen sind:
Beulenpest: geschwollene, schmerzhafte Lymphknoten („Bubonen“)
Lungenpest: hochansteckend durch Tröpfcheninfektion
Pestsepsis: Blutvergiftung mit schneller Ausbreitung
Historischer Hintergrund
Zwischen 1346 und 1353 kostete der "Schwarze Tod", so wurde der damalige Pest-Ausbruch genannt, in Europa schätzungsweise 25 Millionen Menschen das Leben – etwa ein Drittel der Bevölkerung. Die Seuche veränderte langfristig Gesellschaftsstrukturen und medizinische Ansätze.
Letzter bekannter Pest-Ausbruch in Europa
Der letzte größere Ausbruch der Pest in Europa ereignete sich 1945 in Tarent (Italien). Danach wurden keine relevanten neuen Fälle gemeldet – die Pest gilt inzwischen in Europa, auch in Deutschland, als nahezu verschwunden.
Was ist Cholera?
Cholera ist eine akut verlaufende Durchfallerkrankung durch das Bakterium Vibrio cholerae, meist übertragen über verunreinigtes Wasser oder Nahrung.

Cholera-Symptome
Heftiger, wässriger Durchfall („Reiswasserstuhl“), oft begleitet von Erbrechen – innerhalb weniger Stunden droht eine lebensgefährliche Dehydrierung.
Aktuelle globale Lage (2025)
1. Januar bis 17. August 2025: WHO meldet 409.222 Cholera-/akute wässrige Durchfall-Fälle und 4.738 Todesfälle aus 31 Ländern.
Sudan-Cholera-Epidemie (2024–2025): Bis Juli 2025 wurden rund 382.718 Fälle und 4.478 Todesfälle registriert.
Unicef & Guardian-Berichte: Regionen wie Sudan, DR Kongo, Süd-Sudan, Angola, Ghana melden besonders schwere Ausbrüche. In Sudan starben allein im Juli 2025 in einer Woche über 40 Menschen; seit Ausbruch über 2.470 Todesfälle bei knapp 100.000 Verdachtsfällen.
Impfentwicklung
Ein neues orales Choleraimpfstoffpräparat, Hillchol von Bharat Biotech, hat Phase-III-Studien erfolgreich abgeschlossen. Es zeigte eine starke Immunantwort, wurde als sicher befunden und könnte die globale Impfstoffverfügbarkeit deutlich verbessern.
Pest oder Cholera – Vergleich
Symptome im Vergleich
Pest: Fieber, Schüttelfrost, oft schmerzhafte Lymphknotenschwellungen, Atemnot bei Lungenpest.
Cholera: Starker, wässriger Durchfall, Erbrechen, rasche Austrocknung.
Verlauf & Sterblichkeit
Pest (unbehandelt): Sterberate bis zu nahezu 100 %.
Cholera (unbehandelt): Risiko von Tod innerhalb weniger Stunden, Sterblichkeit bis zu 50 %.
Mit angemessener Behandlung sinkt die Sterberate bei Cholera auf unter 1 % – in manchen Ausbruchsregionen liegt sie jedoch aufgrund von mangelhafter Versorgung darüber.
Behandlung
Pest: Antibiotika (z. B. Streptomycin, Doxycyclin), frühzeitig gegeben meist heilbar.
Cholera: Rehydrierung (oral oder intravenös), Elektrolyte, gegebenenfalls Antibiotika – bei rechtzeitiger Behandlung in der Regel erfolgreiche Genesung.
Aktuelle Verbreitung
Pest: In Deutschland und Europa praktisch nicht vorhanden; nur noch historische Relevanz.
Cholera: Noch immer global aktiv, mit wiederkehrenden Ausbrüchen; vereinzelte Importfälle in Europa möglich, Deutschland meist wenig betroffen.
Pest oder Cholera - Welche Krankheit ist im Jahr 2025 schlimmer?
Historisch gesehen waren die Ausbrüche der Pest verheerender – hohe Todeszahlen, lange Epidemien, große gesellschaftliche Auswirkungen. So wurden während des Schwarzen Todes im 14. Jahrhundert ganze Landstriche entvölkert. Der folgende Arbeitskräftemangel trieb die Löhne nach oben und brachte neue Probleme mit sich.
Im 19. Jahrhundert führten Cholera-Epidemien zur Gründung öffentlicher Gesundheitsämter und zur Entstehung moderner Hygienestandards.
Aktuell (2025):
Die Pest stellt in Deutschland aktuell kein realistisches Risiko dar.
Die Cholera bleibt eine aktive, globale Gesundheitsbedrohung – Ausbrüche können rasch eskalieren und sind in fragilen Gesundheitslagen tödlich.
Besser Pest oder Cholera?
Die Pest kommt in Deutschland kaum noch vor, Symptome wie Fieber und geschwollene Lymphknoten können auch bei harmlosen Infekten vorkommen. Das kann zu einer verzögerten Diagnose führen, die tödlich enden kann.
Der Reiswasserstuhl, also akuter, massiver, wässriger Durchfall, sollte heutzutage alle Mediziner:innen schnell alarmieren. Selbst wenn die Cholera nicht sofort als Ursache diagnostiziert würde, sind Sofortmaßnahmen wie Rehydrierungslösungen und Elektrolyte in der Regel immer zur Hand.
Unter rein medizinisch-praktischen Gesichtspunkten wäre Cholera im Jahr 2025 in Deutschland die „bessere Wahl“ und weniger riskant. Sie würde vermutlich schneller erkannt und unverzüglich behandelt, während bei der Pest die Seltenheit und die unspezifischen Anfangssymptome eine riskante Verzögerung bedeuten könnten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet die Redewendung „Pest oder Cholera“?
Die Redewendung steht für eine Wahl zwischen zwei schlechten Alternativen. Sie entstand im 19. Jahrhundert, als Pest und Cholera gleichzeitig gefürchtete Krankheiten waren.
Wann trat die Pest zuletzt in Deutschland auf?
In Deutschland gibt es seit Jahrhunderten keine Pestfälle mehr. Der letzte größere dokumentierte Ausbruch in Europa ereignete sich 1945 in Tarent, Italien. Heute gilt die Pest in Europa als ausgestorben.
Kommt die Pest heute noch vor?
Ja, vereinzelt in einigen Regionen Afrikas, Asiens oder Amerikas. In Deutschland und Europa sind seit Jahrzehnten keine Fälle mehr bekannt.
Gibt es Cholera heute noch?
Ja. Die WHO meldet auch 2025 weiterhin Cholera-Ausbrüche, vor allem in Afrika, dem Nahen Osten und Asien. Allein zwischen Januar und August 2025 wurden weltweit über 400.000 Fälle registriert. In Deutschland treten nur sehr selten Fälle auf.
Wird die Pest heute in Deutschland schnell erkannt?
Eher nicht sofort. Da Pestfälle extrem selten sind, würden die Symptome zunächst mit anderen Infektionen verwechselt. Erst nach Labortests oder bei auffälligen Krankheitsverläufen wird Yersinia pestis als Ursache identifiziert.
Wie schnell wird Cholera in Deutschland diagnostiziert?
Sehr schnell. Typische Symptome wie massiver wässriger Durchfall („Reiswasserstuhl“) gelten als eindeutige Warnsignale. In Kliniken und Laboren ist die Diagnostik standardisiert und innerhalb weniger Stunden möglich.
Welche Krankheit ist gefährlicher – Pest oder Cholera?
Historisch war die Pest verheerender. Heute gilt Cholera als gefährlicher, da sie noch immer weltweit auftritt. Beide Krankheiten sind bei rechtzeitiger Behandlung jedoch gut therapierbar.
Wie erkennt man Cholera?
Typisch ist plötzlich einsetzender, wässriger Durchfall („Reiswasserstuhl“), oft begleitet von Erbrechen. Der massive Flüssigkeitsverlust kann innerhalb von Stunden lebensgefährlich werden.
Wie erkennt man die Pest?
Symptome sind hohes Fieber, Schüttelfrost und schmerzhafte Lymphknotenschwellungen. Bei Lungenpest kommen Husten und Atemnot hinzu.
Wie wird die Pest behandelt?
Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, sind Antibiotika sehr wirksam. Verzögerungen in der Diagnose können jedoch gefährlich sein, da unbehandelte Pest eine hohe Sterblichkeit hat.
Wie wird Cholera behandelt?
Die Therapie ist klar definiert: Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr, ggf. Antibiotika. Diese Maßnahmen sind in jedem Krankenhaus verfügbar, sodass die Heilungschancen in Deutschland sehr hoch sind.
Zu welchem Arzt sollte man gehen, wenn man Pest-Symptome vermutet?
Bei Verdacht auf Pest sollten Betroffene sofort eine Notaufnahme aufsuchen oder den Rettungsdienst (112) rufen. Die Krankheit ist in Deutschland meldepflichtig und wird von Infektiologen und Fachärzten für Innere Medizin behandelt. Hausärzte wären nur erste Ansprechpartner, aber bei ernstem Verdacht ist eine sofortige Klinikeinweisung erforderlich.
Zu welchem Arzt sollte man gehen, wenn man Cholera-Symptome hat?
Bei Symptomen wie massivem, wässrigem Durchfall ist schnelles Handeln wichtig. Betroffene sollten umgehend eine Notaufnahme aufsuchen oder den Notruf (112) wählen, da akute Austrocknung lebensgefährlich sein kann. Behandelt wird Cholera in Kliniken durch Internisten und Infektiologen, die Flüssigkeit und Elektrolyte zuführen.
