Als Psychotherapeut dürfen sich in Deutschland nur Personen bezeichnen, die als Arzt, psychologischer Psychotherapeut oder Jugend- und Kinderpsychotherapeut approbiert sind. Das ist nur dann möglich, wenn ein erfolgreiches Psychologie- oder Medizinstudium absolviert wurde. Aber auch an Studiengänge, wie Pädagogik und Sozialpädagogik kann eine Ausbildung zum Psychotherapeuten angeschlossen werden. Die Psychotherapie darf obendrein von allen Heilpraktikern ausgeübt werden.
Was ist eine Psychotherapie?
In einer Psychotherapie werden emotionale und psychosomatische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten behandelt. Hierzu gibt es verschiedene psychotherapeutische Verfahren. Zu den bekanntesten gehören die Verhaltenstherapie, die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die Hypnosetherapie, die Psychoanalyse nach Freud, Adler und Jung sowie die Familientherapie.
Die Psychoanalyse wurde von dem Wiener Arzt Sigmund Freud begründet. Man bezeichnet sie auch als Tiefenpsychologie, weil sie ihren Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit unterbewussten seelischen Prozessen legt. Neurosen, also misslungene Lösungsversuche von unbewussten Konflikten, sollen in der Therapie aufgearbeitet werden. Oft steckt das Problem in der tiefsten Kindheit.
Bei der Hypnosetherapie wird der Patient in eine hypnotische Trance versetzt, in der das Bewusstsein eingeschränkt ist und somit das Unterbewusstsein direkt angesprochen werden kann. Verstand, gewohnte Denkschemata und Logik sind eher eingeschränkt, sodass Erinnerungen und vergessene Bilder wieder deutlicher wahrgenommen werden. Suggestionen und Impulse werden demnach viel einfacher erkannt. Um den Trancezustand herbeizurufen, wird der Patient in den meisten Fällen die Aufgabe erhalten, ein bestimmtes Objekt zu fixieren. In der Regel wird der Trancezustand vom Patienten als recht entspannend wahrgenommen. Muskelspannung, Blutdruck und Herzfrequenz nehmen ab und die Atmung verlangsamt sich. In der Psychotherapie wird diese Methode insbesondere für die Behandlung von Schlafstörungen, chronischen Schmerzen, Nikotinabhängigkeit und Bluthochdruck verwendet. Aber auch Ängste können auf diese Weise überwunden werden.
Die Familientherapie nehmen vor allem Paare oder ganze Familien in Anspruch. Hier werden u. A. nach schlimmen Erlebnissen auftretende psychische Störungen behandelt. Das Ziel dieser Therapie besteht darin, zwischen den Familienangehörigen so viel zu verändern, dass die Probleme der einzelnen Mitglieder abgebaut werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss zunächst jeder seine eigene Sichtweise schildern. Sollte ein Familienmitglied erkrankt sein, wird die Erkrankung beispielsweise als Lösungsversuch einer Störung angesehen.
Welche Psychotherapieformen werden bezahlt?
Alle von der Krankenkasse anerkannten psychotherapeutische Verfahren werden bezahlt. Zu diesen zählen:
- tiefenpsychologische Verfahren
- Psychoanalyse
- Verhaltenstherapie
Alle drei Verfahren arbeiten mit dem gesprochenen Wort. Bei einer Verhaltenstherapie wird der Therapeut an der aktuellen Situation anknüpfen. Ein bereits vor langer Zeit gelerntes Verhalten wird "umgelernt". Neue Verhaltensweisen und Einstellungen werden dem Patienten angeeignet, sodass z. B. Essstörungen oder Ängste überwunden werden können. Neben Rollenspielen und Verhaltensübungen wird der Therapeut Angstbewältigungsstrategien und mentales Training sowie Entspannungsverfahren anwenden, um seinem Patienten zu helfen. Vor allem bei Depressionen, Zwängen, Selbstsicherheitsproblemen und Angstzuständen haben sich diese Methoden bereits bewährt.
Bei der Psychoanalyse und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie werden die Probleme in der frühen Kindheit gesucht. Beide Verfahren gehen davon aus, dass die seelischen Konflikte aufgrund unterbewusst nicht verarbeiteter Geschehnisse der Vergangenheit vorhanden sind. In der Psychoanalyse wird mit Träumen, Deutungen und Assoziationen gearbeitet.
Gesetzliche Krankenkassen werden die Kosten zu 100 % tragen. Bei Privatkassen hingegen hängt die Leistung immer von der Krankenkasse bzw. dem gewählten Tarif ab.
Wann sollte ein Psychotherapeut aufgesucht werden?
Ein Psychotherapeut kann bei seelischen Problemen und Krankheiten helfen. Hierzu zählen u. A. Störungen des Verhaltes, der sozialen Beziehung, der Wahrnehmung, der Körperfunktion und der Erlebnisverarbeitung. Ängste, Phobien, Suchtverhalten, Depressionen, Essstörungen, Traumata, Persönlichkeitsstörungen, Stressbedingte Krankheiten und Lebenskrisen sind nur einige von vielen möglichen Erkrankungen, bei denen ein Psychotherapeut helfen kann. Bei seelischen Problemen gibt es leider keine eindeutigen Messwerte, sodass jeder Patient selbst einschätzen muss, ab wann ein Arzt eingreifen und helfen muss. Viele Betroffene tun sich sehr schwer und wagen den Schritt zum Arzt erst recht spät. Wer eine Therapie macht, muss sich nicht schämen. Sie ist lediglich ein Hinweis darauf, dass man Probleme erkannt hat und diesen entgegenwirken möchte. Wer sich aufgrund seelischer Konflikte nicht mehr in der Lage fühlt, seine alltäglichen Pflichten zu erfüllen, sollte sich beispielsweise auf jeden Fall Hilfe suchen. Aber auch bei ersten Selbstmordgedanken, Alkoholproblemen, Depressionen, Schlafstörungen, Schwindel oder anderen körperlichen Beschwerden ohne Ursache sind ein Indiz darauf, dass ein Psychotherapeut hinzugezogen werden sollte.
Über das Ende der Therapie werden normalerweise Patient und Therapeut gemeinsam entscheiden. Wenn die zu Beginn angestrebten Ziele erreicht wurden, kann langsam aber sicher über ein Ende nachgedacht werden. Womöglich sind aber auch die von der Krankenkasse genehmigten Stunden aufgebraucht, sodass keine weitere Sitzung mehr gehalten werden kann.