
Anmerkungen zur Ausbildung eines Heilpraktikers
Die Ausbildung zum Heilpraktiker kann an verschiedenen Schulen deutschlandweit absolviert werden.
Recht häufig schlagen Interessenten diese berufliche Laufbahn ein, die bereits in einem anderen medizinischen Zweig tätig waren und einen examinierten Abschluss besitzen. Diese Personen verfügen schon über einen umfangreichen Schatz an Wissen, Fertigkeiten und Erfahrungen. Wissensbereiche, welche der einer rein medizinischen Fachausbildung ähneln, sind zum Beispiel die Krankheitslehre und die Anatomie, die Diagnostik, die Arzneimittelkunde und die Behandlungsmethoden.
Im Gegensatz zu den üblichen medizinischen Berufen liegen einer Ausbildung zum Heilpraktiker keine regulären Vorgaben vor. Auch eine Prüfung muss nicht unbedingt absolviert werden. Trotzdem können die Heilpraktiker nur dann diese Berufsbezeichnung übernehmen, wenn sie eine Erlaubnis dazu haben. Diese wird erst dann erteilt, wenn die geforderten Kriterien für diese Zulassung durch das Gesundheitsamt erfüllt sind. Unter dieser Bedingung sind die Heilpraktiker angehalten, eine Zulassungsprüfung zu bestehen. Spezielle Fragen und Tests zu Kenntnissen und Fähigkeiten werden hierbei abverlangt. Diese Prüfungen werden von den Amtsärzten abgenommen.
Seit dem Jahr 1992 gilt für die Heilpraktiker eine Berufsordnung. Im Unterschied zu allen Ärzten der schulmedizinischen Fachrichtungen unterliegen die Heilpraktiker nicht der sogenannten strafrechtlichen Schweigepflicht. Diese Verschwiegenheit gegenüber Dritten ist lediglich in der Berufsordnung fixiert.
Tätigkeitsfelder der Heilpraktiker
Die Heilpraktiker und Naturheilkundler werden auf dem Gebiet der alternativen Medizin tätig. Das heißt, dass diese Mediziner nicht die Methoden der Schulmedizin praktizieren, sondern sich auf überlieferte naturheilkundlich Verfahren konzentrieren. Die Heilpraktiker therapieren ganz unterschiedliche Beschwerdebilder und Krankheiten mit variierenden Verfahren, zu denen vorrangig die Homöopathie zählt. Sie werden auch schon bei Kindern tätig, wenn der Anlass dazu besteht. Der Spielraum der Heilpraktiker ist durch die gesetzlichen Vorgaben. Gerade im Rahmen der Homöopathie ergeben sich viele Behandlungsmöglichkeiten.
Die Homöopathie ist ein Anwendungsbereich, in dem fast 250 unterschiedliche Substanzen verarbeitet werden. Im Mittelpunkt der Herstellung der homöopathischen Mittel stehen spezielle Potenzierungen. Diese werden aus Basissubstanzen gemischt. Dazu wird überwiegend destilliertes, kalkfreies Wasser verwendet. Als weitere Verdünnungsflüssigkeiten dienen auch Milchzucker, Ethanol oder Glycerin. Bei der Verabreichung dieser Stoffe geht der Heilpraktiker zunächst immer von der niedrigsten Potenzierung mit der geringsten Konzentration der homöopathischen Substanz aus. Diese Potenzierung wird in der Homöopathie nach und nach gesteigert, bis das Leiden überwunden ist.
Nach dem Grundsatz, dass bei einem gesunden Menschen solche Symptome erzeugt werden sollen, die typisch für einen Kranken sind. Bei der Homöopathie beschäftigt sich der Heilpraktiker damit, ein Arzneimittelkonzept zu finden, das zu den Symptomen des Erkrankten am besten passt.
Um dieses Anliegen umzusetzen, gibt es in der Homöopathie neben der Potenzierung noch weitere Konzepte. Diese basieren auf dem sogenannte Simile- oder Ähnlichkeitsprinzip, der homöopathischen Prüfung der Arzneimittel und einer Anamnese (Befragung und Beobachtung des Patienten). Die meisten dieser Grundsätze stammen vom Begründer der Homöopathie, dem aus Deutschland stammenden Mediziner Samuel Hahnemann. Seit diesen Grundlagen haben sich in der Homöopathie drei Hauptrichtungen herausgebildet. Diese werden als klassische und naturwissenschaftlich-kritische sowie komplexe Homöopathie bezeichnet.
Die Zahl der in Deutschland tätigen Heilpraktiker hat sich in den letzten Jahrzehnten ganz maßgeblich erhöht. Dieser Berufszweig ist im Gegensatz zu früher in der Gesellschaft hoch angesehen. Vor einigen Jahrzehnten wurden die Heilpraktiker oft als Scharlatane abgetan. Gegenwärtig sind sie in verschiedenen Organisationen zusammengefasst und erfreuen sich in den Praxen eines regen Zulaufs. Darüber hinaus sind die naturheilkundlichen Verfahren heute mehr denn je als sinnvolle Erweiterung und hilfreiche Ergänzung zu den klassischen schulmedizinischen Methoden anerkannt. Außerdem bieten die Maßnahmen der Heilpraktiker zahlreiche Vorteile, die immer mehr Menschen überzeugen.
Damit die Heilpraktiker eine Tätigkeit durchführen können, die keine Gefährdung für Menschen darstellt, verfügen sie über ein geprüftes Fachwissen für die Erkennung und Versorgung lebensbedrohlicher Situationen und von Notfällen, verschiedene Untersuchungsverfahren zur Erkennung von Krankheiten, die "handwerkliche Ausrüstung“ für die Abnahme von Blut und zur Ausführung von Injektionen und Punktionen. Weitere spezifische Fähigkeiten sind die richtige Sterilisation und Desinfektion sowie Kenntnisse im Bereich der verfügbaren naturheilkundlichen Anwendungen.
Die Heilpraktiker übernehmen keine Behandlung, wenn es sich um meldepflichtige Erkrankungen, Geschlechtskrankheiten, zahnmedizinische oder strahlentherapeutische Krankheiten handelt. Für Maßnahmen in der Geburtshilfe oder bei der Leichenschau sind Heilpraktiker ebenfalls nicht zugelassen. Sie dürfen auch nicht operieren und übliche Medikamente verschreiben.
Wenn Patienten oder Patientinnen zum Heilpraktiker gehen, können sie dies entweder mit einer ärztlichen Überweisung vom Schulmediziner oder von sich aus. Im letzten Fall zahlen die Erkrankten die Behandlungskosten selbst. Im Besitz eines Überweisungsformulars übernehmen die gesetzlichen Kassen einen Teil der Kosten. Den restlichen Eigenanteil trägt der versicherte selbst. Bei einer Gegenüberstellung der Kostenübernahme durch gesetzliche und private Krankenkassen zeigt sich, dass die gesetzlich Versicherten nur sehr wenige Behandlungen bezahlt bekommen. Die privaten Kassen lassen sich die naturheilkundlichen Therapien ihrer Versicherten mehr Geld kosten.
Typische Heilmethoden des Heilpraktikers
Die meisten Menschen haben durch verschiedene Wellness- und Entspannungsverfahren sicherlich schon Erfahrungen mit diesem oder jenem Behandlungsprinzip der Naturheilkunde machen können. In diesem Zusammenhang geht es unter anderem um Behandlungstechniken wie die Akupunktur, ayurvedische Anwendungen, die Homöopathie und die Aromatherapie. Zusätzlich dazu bieten die Heilpraktiker eine Fülle weiterer Verfahrensweisen an, die beispielsweise der traditionellen chinesischen oder indischen Medizin entstammen. Des Weiteren stützen sich die Heilpraktiker auf die heilenden Wirkungen von Pflanzen. Die Bachblütentherapie oder die Behandlungen mit anderen Heilkräutern gehören deshalb zu einem festen Bestandteil der Naturheilkunde.
Die Kräfte der Erde, des Wassers, der Luft, der Wärme, der Natur und die Selbstheilungspotentiale des Menschen macht sich der Heilpraktiker so zunutze, dass Patientinnen und Patienten mit verschiedenartigsten Beschwerden eine Linderung oder sogar eine Heilung erfahren können. Eine ganze Menge an Therapien begünstigt zudem auf natürliche Art und Weise die Stärkung der Immunabwehr, hilft gegen Allergien und trägt zur Entspannung des Organismus bei. Aus diesem Grund begeben sich auch viele stressgeplagte Menschen zu einem Heilpraktiker.
Aus der Vielzahl der Maßnahmen und Methoden sollen noch einige weitere ausgewählt werden. Dies sind die Lymphdrainage, die Eigenbluttherapie, die Hypnose bei asthmatischen Erkrankungen, die Therapie mit Eigenharn und die Chiropraktik. Einzelne dieser Verfahren werden auch von Schulmedizinern durchgeführt. Beliebt und bekannt sind zudem die Fastenkuren, die Bioresonanz-Behandlungen und die Anwendung von Schüssler Salzen. Nicht zu vergessen ist ein überaus verbreitete Behandlung, welcher unter der Bezeichnung Kneippsche Güsse geläufig ist.
Erweitert werden diese Anwendungsspektren durch die Bioenergetik, die ausleitende Verfahren, die Blutegelbehandlung und das Schröpfen. Für Heilpraktiker, die sich einen Schwerpunkt auf die Psychotherapie gelegt haben, sind Techniken wie das autogene Training und die sogenannte systemische Therapie grundlegend.