
Kurzer geschichtlicher Abriss zur Geriatrie
Erstaunlicherweise hat sich die Geriatrie erst in den letzten 70 Jahren entwickelt und ist daher die neueste medizinische Fachdisziplin. Das erste Mal wurde die Bezeichnung "Geriatrie" zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet. Heute wird das Fach Gerontologie an verschiedenen Universitäten gelehrt und wird zu einem großen Teil auch den in der altenpflege engagierten Fachkräften vermittelt.
Seit 1985 gibt es die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie. Durch die Umsetzung der rehabilitierenden Altenpflege haben die geriatrischen Möglichkeiten wieder einen extremen Aufschwung erhalten.
Wer sich nach seinem abgeschlossenen Studium der Medizin in die Fachrichtung der Geriatrie begeben möchte, kann eine 18 Monate währende praktische Ausbildung in einer speziellen Klinik absolvieren. Nach bestandener Prüfung vor der Ärztekammer darf der Zusatz "geriatrischer Facharzt" getragen werden. Kaum eine medizinische Disziplin besitzt eine derart perspektivische Bedeutung und eröffnet so viel Neuland wie die Alterskunde.
Welcher Kreis von Patienten wird in geriatrisch behandelt?
Die sogenannte Heilkunde oder Heilmedizin des Alterns beschäftigt sich hauptsächlich mit Erkrankungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die alternde oder alte Menschen betreffen. Im Mittelunkt der therapeutischen Verfahren stehen somit die Seniorinnen und Senioren. Oftmals werden geriatrische und gerontologische Gebiete miteinander verwechselt. Die Gerontologie ist aber nicht de Lehre vom Altern, sondern die Wissenschaft der Alterungsprozesse.
Im Einzelnen geht es bei den geriatrischen Sachgebieten um solche Erkrankungen, die vorrangig in der Orthopädie, der Psychiatrie und/oder Neurologie sowie in der Inneren Medizin angesiedelt sind. In diesen Bereichen treten die meisten gesundheitlichen Probleme im Zusammenhang mit dem fortschreitenden Altern auf.
Welche Krankheiten sind für die Geriatrie relevant?
Die Lehre vom Altern beinhaltet im Wesentlichen die altersgerechte Therapie solcher Erkrankungen, wie der Arthrose und der Demenz. Diagnostizierte Erkrankungen wie die Osteoporose, die Parkinson-Krankheit, der Graue Star, Krebs, Arteriosklerose und die Altersdepression zählen ebenso zu den Behandlungsthemen.
Es gibt darüber hinaus noch körperliche, geistige und seelische Einschränken, welche zu den typischen krankhaften Begleitern des Alterns gehören. Da bei diesen Krankheiten nicht nur ein einziges Anzeichen, sondern mehrere typisch sind, werden diese unter den sogenannten Alterssyndromen zusammengefasst. Eine Darm- oder Blaseninkontinenz, Austrocknungsvorgänge durch den Rückgang von Gewebsflüssigkeit, eine Instabilität in Bezug auf die Mobilität sowie ein Abbau der Intelligenzleistungen sind solche Syndrome. Nicht zu vergessen sind sogenannte Hirnleistungsstörungen, innerhalb derer Defizite der Hör-, Tast-, Geschmacks-, Gleichgewichts- und Geschmackssinne auftreten. Bei der Mehrheit der alternden Personen nimmt zudem das Durstgefühl ab.
Welche geriatrischen Tätigkeitsspektren werden von den Geriatern gegenwärtig umgesetzt?
Die geriatrischen Maßnahmen zielen vorrangig auf die Behandlung von Akutfällen und die Rehabilitation von Seniorinnen und Senioren nach überstandenen Erkrankungen ab. Die Ziele der Geriatrie bestehen demnach darin, den älteren Menschen entweder eine Heilung zu bringen oder deren Lebensqualität trotz gesundheitlicher Folgeschäden durch eine Krankheit wiederzugeben oder zu stabilisieren. Einen bedeutenden Abschnitt nimmt auf diesem Weg die Erhaltung oder Wiederherstellung der Selbstständigkeit ein. Das Entstehen einer Pflegebedürftigkeit soll ausgeschlossen werden.
Durch die fachübergreifenden Vernetzungen innerhalb der geriatrischen Behandlungen können in der Regel alle individuellen Besonderheiten der alternden Menschen beachtet werden. Die Planung der Therapien basiert auf einer genauen Diagnostik, welche am besten ein fachlich versierter und erfahrener Geriater ausführen kann. Wenn Seniorinnen oder Senioren einen Geriater aufsuchen möchten, können Sie dies in den tätigen Praxen gern tun. Am besten ist es, nicht allein zu gehen, sondern einen engen Angehörigen zu bitten, als Begleitung dabei zu sein. Die Karte der Krankenkasse und/oder eine Überweisung sollten vorgelegt werden. In der Mehrzahl der Fälle bieten die Geriater auch Hausbesuche an. Diese Variante ist optimal, denn so können die häufig verunsicherten älteren Personen in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben.
Für die Diagnostik verschiedener Alterserkrankungen gibt es wissenschaftliche fundierte Tests und die üblichen bildgebenden Verfahren sowie körperliche Untersuchungen durch den Geriater. Wichtig ist vor allen Dingen das Gespräch mit möglichst allen beteiligten Personen und den Seniorinnen und Senioren selbst. So kann sich der Geriater am besten ein realistisches Bild machen.
Welche privaten Zusatzleistungen beinhalten geriatrische Maßnahmen?
Nicht in jedem Fall können von den niedergelassenen Geriatern verschiedene private Zusatzleistungen angeboten werden. Die erforderlichen technischen Ausrüstungen und die Qualifikationen der Mitarbeiter sind dafür überwiegend zu kostspielig. Anders ist dies bei geriatrischen Kliniken oder Rehabilitationszentren mit geriatrischen Behandlungsvorgaben. Dort erhalten privat versicherte Seniorinnen und Senioren Therapien, welche die Tiefensensibilität und die Koordination sowie das Denken und die Beweglichkeit fördern. Neben naturheilkundlichen Methoden wie Reiki und Crosstaping wird beispielsweise auch das Kinesio-Taping als private Zusatzleistungen übernommen.